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26 | 05 | 2020
Wanderfahrt Maas 2013

Wanderfahrt Maas 2013

Rainer Wollenschneider

In Intervallen auf der Maas von Sedan bis Namur

Von Schleusen, Tunneln und den Ardennen

Norbert Kraus bescherte ganz besonderes Rudererlebnis

„Mein Traum ist Wahrheit geworden!“, ließ Fahrtenleiter Norbert Kraus am Ende der einwöchigen Wanderfahrt auf der Maas von Sedan (Frankreich) bis Namur (Belgien)in den Ardennen verlauten. Nach zwei von ihm organisierten Touren auf der Semois, musste seit der ersten Erkundung 1989 zusammen mit Ehefrau Hermine, das „Ruderprojekt Maas“ hinten anstehen. Doch im Juni 2013 startete nach einer geradezu generalstabsmäßigen Vorbereitung die Rudertour mit zwölf Teilnehmern in zwei Booten und zwei Begleitfahrzeugen.

Nach einer Vorfahrt mit Erkundung entschloss sich Nobert Kraus zu folgenden Etappen: Sedan - Flize - Monthermé - Fumay - Givet - Dinant - Namur. Dabei wurden knapp 150 Kilometer zurückgelegt und mehr als 30 Schleusen und zwei Tunnels bewältigt. Ja, das macht das Rudern auf der Maas aus: Durch die geradezu rhythmisch vorhandenen Schleusen kam es zu einer Intervalltour der besonderen Art. Dazu muss angemerkt werden, für die Kommunikation vom Wasser aus und an Land sind französische Sprachkenntnisse gefragt. Selbst mit Englisch kommt man oft nicht gewünscht weiter. Zudem ist der Landdienst besonders gefordert, gerade wenn es um den Hängertransfer um enge Ecken geht. Außerdem beim abendlichen Speisen in französischen und belgischen Lokalen, da sind die Speisekarten überwiegend in Französisch verfasst und beim Bezahlen ist ein „Johnny Cash“ gefragt, der die gelieferte Gesamtsumme auf die Teilnehmer verteilt.

Mehr als hilfreich beim Orientieren an Land war das nach einem Zahlenschlüssel im Vorfeld programmierte Navi im Auto. Wichtig zudem, dass man sich um ein „Permis“ für das Befahren der französischen Gewässer kümmerte und entsprechend im Vorfeld an die Betreibergesellschaft, die VNF, für die beiden Boote ein entsprechendes Sümmchen bezahlte. Zudem wurde der Ablaufplan der Tour 14 Tage vor dem Start per Email übermittelt, damit die wechselnden Schleusenwärter vorgewarnt waren. Während motorgetriebene Boote mit einer Fernbedienung die Schleusen meisterten, wurde diese den Sportbootfahrern verweigert. Dafür gab es durchgehend einen exklusiven, persönlichen Schleusenmeisterservice. Bei der Vorschrift, für die Bootsbesatzungen in Frankreich Schwimmwesten dabei zu haben, zeigten sich die Schleusenwärter großzügig. Allerdings war es öfters notwendig, dass man aus dem Boot ausstieg und per Telefon zur Schleusenaktion aufforderte. Herzlichkeit gegenüber den Rastatter Bootsbesatzungen gab es allerorten. Denn Ruderboote auf der Maas sieht man selten; die angesteuerten Ruderclubs haben sich überwiegend dem Fahren im Rennboot verschrieben. Die Maas verfügt in Frankreich und Belgien über keine Kilometrierung und Strömung gibt es auch nur bei extrem hohem Wasserstand.

Für die Tour genügten zwei Übernachtungsquartiere, die man jeweils nach Etappenende per PKW ansteuerte. So das Kyriad in Charleville-Mézières und das „Splendid Palace“ im belgischen Dinant. Während das erste Hotel bei extremem Raumsparen schön war, bot das „Splendid“ bei herrschaftlichem Äußeren, wenig erfreuliche Perspektiven im Innern. Doch Kompromisse wurden eingegangen, schließlich war man auf Rudertour.

„Rudern bildet!“, heißt es auch. Das servierte der Fahrtenleiter seinen Teilnehmern. So stand einmal Sedan mit der titulierten „größten mittelalterlichen Burg des Mittelalters in Europa“ auf dem Programm. Ganz besonders beeindruckend war auch der Besuch der Burg von Bouillon an der Semois. Neben einer Falknerei führten die oft in Fels gehauenen Räumlichkeiten authentisch in vergangene Zeiten. Auch die Atmosphäre von Charleville-Mézières mit dem zentralen Platz war etwas ganz Besonderes, wie auch Dinant, der Geburtsort des Saxophonerfinders, Adolphe Sax.

Was das Eigentliche der Tour, das Wasserrevier der Maas betrifft, so war eine stetige Steigerung der landschaftlichen Eindrücke zu vermelden. Nach Sedan, vorbei an verlassenen Fabriken, kamen die ersten Kanäle, welche die Flussmeander  durchzogen. Begleitet wurden die beiden Bootsbesatzungen zum Auftakt und in den nächsten Tagen von einer „Symphonie“ in Grün. Schwierig ist an der Maas durch den oft kanalartigen Ausbau das Anlanden. Die Ufer sind meist hoch und dicht bewachsen. Eine besondere Erkundungsarbeit betraf auch im Vorfeld das Lagern der Boote am Etappenziel. Waren es keine Ruderclubs, dann bot sich beispielsweise am „Camping du Port Diseur“ an der Semois-Mündung ein freundlicher Holländer als Wachposten an. Aber auch in Fumay, ohne besondere Bewachung, verlief das Ablegen der beiden Boote über Nacht ohne Zwischenfälle und Vandalismus.

Abgesehen von Unbilden des Himmels mit starken Regenschauern wurde die Tour ab Givet noch in Frankreich mit seiner gewaltigen Bergfestung zu einem besonderen Genuss. Nach dem Meistern eines 565 Meter langen Tunnels, Beleuchtung im Burg obligatorisch, folgte die romantische Strecke der Maas. Hier fand sich auch der neue und enorm gastfreundliche Ruderclub von Givet. Felswände und historische Bauten, wie das Schloss Freyr säumten dann den Flussverlauf. Ab der belgisch-wallonischen Grenze war auch die Großschifffahrt angesagt, hatte man es doch bisher nur vereinzelt mit historisch anmutenden Pénichen, kleinen Frachtkähnen, zu tun gehabt. Jedenfalls die französische Kanalgesellschaft nahm es an der belgischen Grenze nach Givet genau, was das Abkassieren für die „péage plaisance“ betrifft und zu langen Wartezeiten führte.

Bei den gewohnten Schleusenintervallen ließen die Landschaft und die Bebauung an den Ufern, eine Kletterwand und die Rast auf der gastfreundlichen Ile d‘ Yvoir inklusive, keine ruderische Langeweile aufkommen. Auch hunderte von Kanadagänsen begleiteten die Rastatter Ruderboote. Zudem gehörte zum ruderischen Finale die große erfahrene Gastfreundschaft im 1862 gegründeten Ruderclub, „Royal Club Nautique de Sambre et Meuse“.

Hinterher, nach dem Ende der Rudertour auf der Maas, war klar, die unglaublich minutiöse Vorbereitungsarbeit des Fahrtenleiters Norbert Kraus hatte sich ausgezahlt. Die Teilnehmer waren des Lobes voll und hatten eine Woche „Maas-pur“ in vollen Zügen genossen.

Rainer Wollenschneider

Informationen zum Befahren der französischen Wasserstraßen:

www.rbnetz.de (Kosten muskelbetriebene Boote p.a. ca. 38 Euro)

Ruderetappen auf der Maas (Meuse):

Etappe

Kilometer

Schleusen

Sedan Flize

14,4

4

Flize Monthermé

33,7

5

Monthermé Fumay

31,9

7 + Tunnel 224 Meter

Fumay Givet

21,5

6 + Tunnel 565 Meter

Givet Dinant

20,6

4

Dinant Namur

23

5

145,1

31

Hilfreiche Informationen auch bei Fahrtenberichten aus der Vergangenheit im Internet,

z.B. Ruderclub Esslingen

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