Kategorie: Rudern

Hamburg – das Tor zur (Ruder-)Welt

Hamburg ist ja bekanntlich immer eine Reise wert …
Ende Oktober nahmen einige RCR-Mitglieder den „Fari Cup“ zum Anlass, dieser schönen Stadt einen Besuch abzustatten.
Diese Regatta gibt es seit 1992, und die Teilnehmerzahlen steigen ständig (in diesem Jahr 270 Boote). Gerudert wird in Vierern oder Achtern, in Gigs oder Rennbooten.
Seit zwei Jahren reifte bereits die Idee, bei dieser Regatta an den Start zu gehen - der Gedanke, auf der Außenalster zu rudern, war einfach zu verlockend.
So machte sich eine gut gelaunte Reisegruppe von Ruderern und „Betreuerinnen“ mit der Deutschen Bahn auf den Weg gen Norden. Die Fahrt verlief – aller Unkenrufe zum Trotz – problemlos, sodass bereits am Donnerstagnachmittag an den Landungsbrücken mit der Akklimatisierung mittels Fischbrötchen begonnen werden konnte.
Am Samstag hieß es dann früh aufstehen, um am Zielort, der wunderschönen Anlage des Ruderclubs Favorite Hammonia, die Startnummer und die letzten Informationen zu Strecke und Ablauf entgegenzunehmen.
Danach machten wir uns auf den Weg zum Hamburger Ruderinnen-Club von 1925 e. V., der uns freundlicherweise ein Boot zur Verfügung stellte. Dort wurden wir sehr freundlich empfangen, und Anne stellte uns den gesteuerten Doppelvierer „Alsterblick” vor. Der idyllisch an einem Alsterkanal gelegene Ruderinnen-Club war ein optimaler Startpunkt, um durch die verschlungenen Kanäle mit wunderschöner Kulisse zum Start unserer 4200 m langen Strecke zu gelangen. Das Einrudern lief gut und wir wurden schnell mit der „Alster-blick“ warm. Zu diesem Zeitpunkt herrschte auf dem Wasser schon reger Betrieb, denn die Achter waren zeitgleich auf dem Weg zum Start ihres 7500 m langen Rennens. Eine kribbelnde Vorfreude stellte sich ein – frei nach dem Motto des Veranstalters: „Blätter im Wasser und Spannung in der Luft“. In unserem Rennen (4x+ Gig) waren sechs weitere Boote gemeldet. Gestartet wurde in 60-Sekunden-Abständen mit einem kurzen fliegenden Start. Dann kam endlich das Kommando „Alles vorwärts – LOS“, ein kurzes Hupen, und wir waren auf der Strecke. Ein starker Start und dann schnell und kraftvoll auf eine hohe Streckenfrequenz zu kommen, war unser Ziel. Unser Gefühl war gut, und unser Steuermann ermahnte uns immer wieder, zusammenzubleiben, schnell zu setzen und sofort Druck aufs Blatt zu bringen. Die erste Hälfte der Strecke wird in einem Kanal gerudert. Auf den zahlreichen Brücken stehen Zuschauer und feuern die Ruderer an. Dann passieren wir zwei Bojen und es geht auf die Außenalster. Ausgerechnet an dieser Engstelle wurde ein Überholmanöver angesetzt, aber unser Steuermann meisterte das souverän und trieb uns bis ins Ziel. So schnell war es dann auch schon vorbei, aber ein wunderschönes Erlebnis mit ausrudern auf der Binnenalster bleibt in Erinnerung.

Fotos: Reisegruppe
Text: Elke „Katzi“ Mackenthun

Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben….

… aber der Reihe nach und nicht so plump wie im bekannten Gassenhauer.

Die Teilnahme am größten Achterrennen Deutschlands, dem Roseninselachter am Starnberger See ist ein Projekt, welches wir schon seit 2020 - seit wir unseren neuen Achter haben - immer mal wieder diskutiert haben. Nachdem im letzten Jahr schon 3 Rastatter dabei waren und Blut bzw. Wasser des Starnberger Sees (oder vielleicht war es auch das Weißbier) geleckt hatten sollte es in diesem Jahr so weit sein...
Bei diesem Rennen starten ca. 80 Mannschaften in 4 Abteilungen. Natürlich kommt das Gros der Mannschaften aus Süddeutschland - es sind aber auch Vereinsnamen aus der gesamten Republik und sogar aus Österreich, Italien, den Niederlanden und Großbritannien zu finden.
Jetzt ist es nicht so einfach 9 berufstätige Menschen unter einen Hut zu bringen und einen gemeinsamen Trainingstermin zu finden. Wenn dann da auch noch sogenannte Ruheständler dabei sind, wird aus „nicht so einfach“ - „unmöglich“.
Außerdem mussten nicht nur 8 Ruderer und eine Person für die Steuerseile gefunden werden, sondern auch noch Ersatzleute, die zwar fleißig mittrainieren mussten, deren Chance auf eine Teilnahme aber eher gering waren. Um es kurz zu machen - die Mannschaft stand und seit März stand dann auch fest: Wir starten in Starnberg!
Das war auch allerhöchste Zeit, denn zum einen wir wollten ja nicht nur dabei sein, sondern auch eine gute Figur abliefern, mussten also fleißig trainieren und zum andern waren ja auch noch logistische Hürden zu nehmen, deren höchste das Finden einer Unterkunft für rund 14 Personen in der Nähe war, was unter normalen Umständen kein Problem darstellt, bei gleichzeitig stattfindendem Oktoberfest allerdings eine Herausforderung ist, die Peter hervorragend gelöst hat.
Der Trainingsfleiß war beeindruckend und auch das Engagement der Ersatzleute bemerkenswert! Am letzten Septemberwochenende war es dann so weit. Donnerstags wurde die Markgräfin abgeriggert, von der Quagga-Muschel befreit, geteilt und verladen.
Die Frage an den Veranstalter, ob wir schon am Freitag um die Mittagszeit den Sattelplatz befahren dürfen und aufs Wasser können, wurde folgendermaßen beschieden:
„(…) Ludwig II. wird sich geehrt fühlen, Eure Markgräfin Sibylla Augusta auf seinem See begrüßen zu dürfen. (…)“

OhoOOO!!! Hört! - Hört!
Wir waren im Reich von Ludwig II. Otto Friedrich Wilhelm von Bayern. Er hat auch - wie allseits bekannt - den Beinamen Märchenkönig und wie das im Märchen so ist wollen wir es in unserer weiteren Geschichte mit Zeit, Raum und Physik nicht so genau nehmen.
Wir kamen wunderbar durch die üblichen Staus auf der A8 und erreichten den Starnberger See gegen 13:00 am Freitag. Wie im Märchen lugte die Sonne ein bisschen hervor. Der Entschluss nochmal aufs Wasser zu gehen war schnell gefasst.
So begann die Geschichte zwischen unser Markgräfin und Ludwig II. und es begann auch die Geschichte zwischen uns Rastatter Ruderern und dem Starnberger See.
Wir hatten eine wunderschöne kurze Ausfahrt - das Boot „lief“ - wie wir Ruderer sagen. Die Mannschaft - zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht in Originalbesetzung - „war zusammen“. Mehr ist zu dieser kleinen Runde nicht zu sagen…
Wir holten die gute Markgräfin wieder an Land, betteten sie zur Nacht und freuten uns alle auf den nächsten Tag. Was unter dem Mantel der Dunkelheit und des mystisch heraufziehenden Nebels geschah - welche Geschichten zwischen dem Geist Ludwig des II. und dem unserer Markgräfin ausgetauscht wurden oder welcher Plan geschmiedet wurde, bleibt deren gut gehütetes Geheimnis und es geht uns auch nichts an. Was in den Köpfen unserer Mannschaft in dieser Nacht vorging, ist selbstverständlich auch nicht belegt, aber ich meine in den Gesichtern am nächsten Morgen ein Funkeln gesehen zu haben bei dem Gedanken an den Starnberger See.
Der nächste Morgen:
11:00 - die Mannschaft in blütenweißen RCR-Trikots strahlt mit unserer Markgräfin um die Wette.
11:15 - das Boot wird zu Wasser gelassen, am Steg wird es bei so vielen Booten etwas hektisch aber dann legen wir ab und es wird ruhig… die ersten Schläge jetzt endlich in Originalbesetzung… und “es läuft”! Wir rudern uns ein, üben noch ein paar Starts – es still im Boot, jeder konzentriert sich.
12:30 - der Startschuss ertönt und es geht zusammen mit den 20 anderen Achtern aus unserer Abteilung los auf die 12km lange Strecke - das Wasser kocht - aufgewühlt von 160 Ruderern - und wir mittendrin. Los mit Schlagzahl 27 - weit über dem, was wir im Training geübt hatten und das Boot „lief“. Wir sind zufällig in einem Pulk gleich schneller Boote was uns antreibt und uns ganz hervorragend ins Renntempo kommen lässt. Zufällig? - Oder hatten da unsere beiden königlichen Hoheiten etwas mit zu? Im weiteren Verlauf - bis zu Wende - sind wir in einer „Dreiergruppe“ unterwegs, die uns motiviert, mitzieht, mitreißt unsere Schlagzahl wird ruhiger, 25 Einsätze pro Minute, 25 x Setzen, 25 x zusammen das Boot anschieben, 25 x sauber ausheben und wieder zurück in die Auslage. Tolle Bedingungen, der See ist glatt - wie gebügelt - gehörte das auch zum Plan von Ludwig und Sybilla Augusta?
Da, die Wendebojen kommen in Sicht - wir müssen einen Bogen über Backbord fahren, innen zwei Boote, die Vorfahrt haben und denen wir Raum geben müssen. Doch was passiert da? - Die beiden Boote kollidieren und verhaken sich und wir haben plötzlich freie Fahrt und treten den Rückweg nach Starnberg an. Es gibt keinen Zweifel mehr! Das alles gehörte zum Plan der beiden und sie freuen sich diebisch, dass dieser bis dahin aufgegangen ist - vielleicht freuen sie sich ein bisschen zu viel und werden unkonzentriert, denn auf dem Rückweg erwischt uns etwas Gegenwind. Jetzt heißt es „beißen“ und kämpfen. Eine neue Geschichte beginnt - eine Geschichte zwischen uns Rastatter Ruderern und dem Roseninselachter - dem Wettkampf … denn zu einem Zeitpunkt, wo andere Mannschaften auseinanderfallen, da fängt unser Boot nochmal an zu laufen, zu fliegen. Vor dem Ziel geht die Schlagzahl nochmal hoch bis 27/28 und bringt uns als drittes Boot in unserer Kategorie ins Ziel mit nur 33 Sekunden Rückstand auf den 2. und einer sensationellen Zeit von 55:50.
Dass es zwischen dem Geist Ludwig II. und Sybilla „gefunkt“ hat, daran gibt es keinen Zweifel, dass wir uns allesamt in den Starnberger See „verguckt“ haben, ist auch unbestritten und dass nun 11 weitere Rastatter Blut, Seewasser oder Weißbier geleckt haben ist allein daran zu sehen, dass die Planungen für 2026 schon anlaufen…
Sonntags geht es nochmal für die Ersatzleute und mitgereisten Schlachtenbummler aufs Wasser. Wir besuchen das Denkmal Ludwig des II. und geben unseren beiden Helden Gelegenheit sich zu verabschieden…
Danach geht es zurück nach Hause und ganz sicher wird die Markgräfin Ihrem Ludwig von Baden von diesem wunderschönen und ereignisreichen Wochenende berichten.
Text: Matthias Körwer

Goldmedaille des Ratzeburger Goldachters

Rastatterin hält eine Goldmedaille des Ratzeburger Goldachters in Ehren

Erinnerungen an einen legendären deutschen Olympia-Ruder-Sieg
Aktuell sind die Dreharbeiten zu „Adams Acht“ in aller Munde. Es handelt sich um die dramatische Geschichte des „Goldruderachters“ des legendären Trainers Karl Adam. Bei den Olympischen Spielen, Rom 1960, gewann auf dem Lago Albano eine deutsche Ruderercrew die Goldmedaille. Einen ganz besonderen Bezug zum Thema hat die in Ratzeburg geborene Maike Dinkelbach. Sie ist inzwischen Wahl-Rastatterin und Mitglied des Rastatter Ruder-Clubs (RCR) am Goldkanal.
Stolz kann Maike Dinkelbach die verwahrte Goldmedaille ihres Vaters Manfred Rulffs präsentieren und andere Erinnerungen zum weltweit beachteten Sieg des titulierten „Goldachters“. Manfred Rulffs, der siebenfache deutsche Meister in verschiedenen Bootsklassen, verstarb 2007 in Ratzeburg. Da war es klar, dass nach Vorab-Recherchen des Filmteams, Maike Dinkelbach in die Dreharbeiten auf dem Ratzeburger Küchensee hineinschnupperte.
Vorab hatte sie Kontakt mit dem Film-Produzenten Ivo Beck und man verschaffte ihr Zugang zum sonst gesperrten Drehort. Maikes Schwester Stefanie agierte als Komparsin. „Ich habe meinen Vater in jungen Jahren kennengelernt“, erwähnt Maike Dinkelbach zunächst überraschend. Sie hatte nach dem Kontakt mit dem Produzenten im Vorfeld eine Begegnung mit dem Darsteller ihres Vaters, Leonard Kunz.
Im Ratzeburger Goldachter war Manfred Rulffs der Schlagmann, das bedeutet, auf seiner Position gegenüber dem Steuermann gab er den Takt an. Rulffs erhielt das Silberne Lorbeerblatt, betreute ab 1968 den Deutschland-Achter und wurde Bundestrainer.
Seine Tochter Maike hatte in der gymnasialen Oberstufe Rudern belegt, wobei ihr Vater als Instruktor fungierte. Interessant dann Maike Dinkelbachs Sportgeschichte. Rudern war zunächst kein Thema mehr. Sie wurde Physiotherapeutin mit der Ausbildung in Freiburg. Auf ihrem beruflichen Weg kam sie 1998 nach Rastatt. Dort hinterließ als Gymnastiktrainerin bei der Volleyball-Abteilung des Rastatter-Turnvereins ihre Spuren und ist heute „Präventionsfachkraft“ bei der AOK.
Und plötzlich nach 25 Jahren Pause war Rudern wieder ein Thema. Maikes Nachbarin Johanna hatte an einem Ruderkurs des RCR teilgenommen und sie motiviert, doch wieder ins Rudern hineinzuschnuppern. Nach der herzlichen Aufnahme 2023 entdeckte Maike das Rudern aufs Neue. „Wer einmal gerudert hat, der verlernt es nicht!“, stellt die Ratzeburgerin fest. Sie schwärmt von der Kameradschaft, Offenheit und den Rudermöglichkeiten unter der Woche oder am Wochenende.
Maikes Vater Manfred Rulffs hätte über das Engagement seiner Tochter viel Freude gehabt. Sie hat inzwischen erfolgreich am Rheinmarathon teilgenommen, eine Wanderfahrt nach Ratzeburg organisiert und ein Amt im Sportrat der Ruderer. Jetzt wartet sie auf die Filmpremiere von „Adams Acht“ im kommenden Spätjahr.

Bilder: Die Goldmedaille des Schlagmanns im Deutschland-Achter Manfred Rulffs der Olympiade im Rom 1960 hält seine Tochter in Ehren_(Vorder- und Rückseite)

Text & Fotos: Wollenschneider

Rudern in anderen Revieren: Mittlerweile ein Highlight zum Reinschnuppern in fremde Gewässer

Die Idee des „Ruderns im anderen Revier“ hat sich als voller Erfolg erwiesen! Mitglieder des Lauffener RC "Neckar" e.V. 1931, des RV Bad Wimpfen e.V. und des RCR 1898 e.V. haben im April gemeinsam den Rhein und im Juli den Neckar erobert.
Das Konzept ist so einfach wie genial: Mit minimalem Aufwand können Ruderinnen und Ruderer neue Gewässer erkunden. Kein mühsamer Bootstransport – einfach anreisen und direkt ins Boot steigen! Ein großer Dank geht dabei an Linda, die als Mitglied in mehreren Vereinen diese wunderbaren Begegnungen ermöglichte. So konnten wir Rastatter gleichzeitig Ruderfreunde aus Bad Wimpfen und Lauffen kennenlernen.

Der Rhein ruft: Ein Heimspiel für die RCR-Crew

Am 26. April hießen wir ambitionierte Ruderinnen der genannten Vereine bei uns willkommen. Gemeinsam ruderten wir vom Goldkanal bis nach Germersheim. Was für uns RCRler eine vertraute „Heimstrecke“ ist, stellte für unsere Gäste „Neuwasser“ dar. Der Rhein mit seinen zahlreichen Buhnen und dem teils regen Berufsverkehr bot dabei viele interessante Eindrücke. Nach einer kurzen Rast am Wörther Hafen erreichten wir nach vier Stunden unser Ziel beim RV Rhenania Germersheim e.V. Die Boote waren schnell auf den Trailer versorgt und ein köstliches Mittagessen im Vereinslokal wartete auf uns. Nach der Heimfahrt und dem Aufräumen der Boote ließen wir den Tag bei leckerem Kuchen ausklingen. Den Damen vom Neckar hat es sichtlich gefallen!

Gegenbesuch am Neckar: Eine Tour durch vier Schleusen

Der Gegenbesuch am Neckar fand am 12. Juli statt. Unser RCR-Bus brachte neun ruderbegeisterte RCRler nach Lauffen. Mit drei Gigs ging es dann durch vier Schleusen bis nach Bad Wimpfen, unterbrochen von einer Stärkungspause bei den Ruderschwaben in Heilbronn. Die köstliche Bord- und Mittagsverpflegung trug maßgeblich zur guten Stimmung bei. An dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön an Linda und ihre Helfer!

Eine Geschichte durch die Geschichte…

… die ungefähr vor 2,5 Millionen Jahren beginnt.
Das heutige Skandinavien und Teile der heutigen Nord- und Ostseeküste waren von großen Gletscherplatten bedeckt, welche die Topologie der heutigen Landschaft mit den Fjorden, und Bergen prägte. Unter Anderem entstand auf dem Gebiet des heutigen Schleswig-Holstein ein etwa 10 km langer Graben in Nord-Süd-Richtung… und als dieser sich mit Schmelzwasser zu füllen begann, entstanden am südlichen Ende zwei kleine Inselchen…

Wir machen einen großen Sprung in der Zeit!
Bis ins 11. Jahrhundert war auf einer - der größeren der beiden Inseln - das Hauptheiligtum der Göttin Siwa zu finden. Siwa war die Hauptgöttin der Polaben. Über diesen westslawischen Stamm gäbe es viel zu berichten, aber das würde zu weit führen. Wir wollen unseren Blick auf den Stammesführer des obodritischen Teilstammes dieser Polaben werfen. Sein Name war Ratibor. Als Stammesführer benötigt man natürlich eine Burg – nun war die größere der beiden Inseln, von denen wir gerade gesprochen haben, schon von Siwa besetzt, so dass Ratibor seine Burg auf der kleineren der beiden Inseln baute. Dieser Ratibor wurde von seinem Stammesleuten „Ratse“ genannt - und 1062 taucht dann Ratses Burg das erste Mal in einer Urkunde auf… wir sprechen also von Ratzeburg und dem Ratzeburger See.

Wir bleiben genau dort und springen 613 Jahre.
1675 wurde dort im Ratzeburger Schloß, welches leider nicht mehr existiert, als zweite Tochter des Herzogs Julius Franz von Sachsen-Lauenburg und der Pfalzgräfin Hedwig von Sulzbach ein kleines Mädchen geboren und auf den schönen Namen Sybilla Augusta getauft. Genau, der Name kommt uns bekannt vor – 15 Jahre später heiratet sie „unseren“ Markgrafen Ludwig von Baden und zieht schließlich 1693 ins schöne Rastatt.
Wir haben also eine Verbindung zwischen Ratzeburg und Rastatt.

Wir springen ins Jahr 1935 und kehren zurück nach Norddeutschland.
In Kiel wird Manfred Rulffs geboren, der später in Ratzeburg die Lauenburgische Gelehrtenschule besucht und dort unter Karl Adam rudern lernt. Manfred Rulffs wird zu einem der vielseitigsten und erfolgreichsten Ruderer. Legendär ist der Gewinn der olympischen Goldmedaille 1960 im Achter in Rom.

Jetzt machen wir nur „einen kleinen Satz“ in der Zeit.
6 Jahre später kommt seine Tochter Maike zur Welt, die nach vielen Stationen 1998 in Rastatt eine neue Heimat findet. Unsere zweite Verbindung zwischen Ratzeburg und Rastatt. Dass Meike im Jahr des 100jährigen Bestehens des RCR in Rastatt ankommt, ist sicher nur Zufall.

Jetzt ruht die Geschichte für 25 Jahre.
2023 taucht Meike plötzlich am RCR auf und möchte rudern lernen, nachdem Johanna einen Ruderkurs besucht hatte… Natürlich können wir davon ausgehen, dass Meike schon als Kind in Ratzeburg und in diesem „Ruderumfeld“ schon im Boot gesessen hat… sie konnte also schon rudern.

Und jetzt haben wir nicht nur eine Verbindung zwischen Ratzeburg und Rastatt, sondern auch zum Rudern.
Dass dies im Jahr des 125jährigen Bestehens des RCR geschieht, ist sicher auch nur Zufall – aber, gibt es so viele Zufälle???

Jetzt finden die losen Enden dieser Geschichte zusammen:
Maike organisiert eine Wanderfahrt rund um Ratzeburg. Zunächst rund um den Küchensee und dann über den Ratzeburger See und wieder zurück, dann - am nächsten Tag - von Ratzeburg nach Lübeck über den Ratzeburger See und die Wakenitz und schließlich am letzten Tag wieder zurück von Lübeck nach Ratzeburg über den Dom-See und den kleinen Küchensee. Wir haben ein wunderschönes und abwechslungsreiches Ruderrevier bei traumhaftem Wetter kennen gelernt. Weite Wasserflächen, ein Städtchen auf zwei Inselchen, umschlossen vom Wasser, Schilfgürtel, ein kleines beschauliches Flüsschen mit Seerosen und Libellen – Alles, was das Herz begehrt. Zu allem Überfluss sind wir am letzten Tag noch nach Niendorf an die Ostsee gefahren und haben einen Strandtag mit Fischbrötchen, Baden und Bier verbracht.

Das Highlight dieser drei Tage war aber nicht die Ruderrei oder das Bad in der Ostsee oder die tolle Gegend.
Nein, das war der Grillabend in Maikes Elternhaus, die phantastische Organisation der ganzen Fahrt, der herausragende Landdienst durch Harald, die Herzlichkeit mit der wir im Ratzeburger Ruder Club aufgenommen und betreut wurden. Ein großes Dankeschön an Robin, Eva, Corena und Ulrike, die uns sicher durch die uns unbekannten Gewässer steuerten, an Reinhard Grahn, der uns durch die neu renovierte und modernisierte Ruderakademie führte und nicht zuletzt an Lingolf, der uns mitgenommen hat auf einen kleinen Gang durch die Geschichte des Ratzeburger Ruder Clubs.
Insgesamt ein tolles Erlebnis diesen „holy ground“ besuchen zu dürfen und auf den Spuren von Karl Adam zu wandeln.
Und dann war da noch etwas, was mich wirklich sehr gefreut hat! – Gleich am zweiten Tag begrüßte uns zur Mittagspause ein wohlbekanntes lachendes Gesicht mit Lübecker Marzipan. Peter Möller hat uns empfangen. Mit Ihm haben wir dann auch noch am dritten Tag in Lübeck zu Abend gegessen und er hat uns noch zu sich nach Hause auf die Terrasse zum Frühschoppen eingeladen… Toll, ihn mal wieder gesehen zu haben!

Text & Fotos: Matthias Koerwer

Rudertour auf einem Fluss mit Kontrasten-Vom Tunneldunkel ans Licht

RCR-Lahnfahrt 2025 mit Konni Roth

Von einer enormen Hitzewelle überrascht, vom Dunkel des Tunnels bei Weilburg bis zur Hitze des herrschaftlichen Bad Ems, führte RCR-Organisator Konni Roth eine Wanderfahrt auf der Lahn durch. Minutiös geplant sollte doch so manche Überraschung auf die 18 Teilnehmern in je zwei Ruder- und -Vierern warten.

Nach dem Transfer ins hessische Weilburg kam zum Tourauftakt schon der Hammer. Noch machte man sich zu den zahlreichen Wartenden für die Tourist-Kanukanadier keine Gedanken, doch das drastische Erlebnis sollte folgen. Dutzende verkeilte Boote mit den vier Ruderbooten als Exoten drängten sich in der Tunnelröhre. Bevor die Einfahrt in die Doppelschleuse erfolgte ein Kommentar: „So muss ein Ruder-Kanu-Inferno aussehen!“

Befreit von alkoholisierten, grölenden Paddlern konnte die freie Fahrt endlich beginnen. Denkste! Unerfahrene, oft ratlose Kanadierbesatzungen forderten die äußerst schnelle Reaktion der Steuerleute, um Kollisionen zu vermeiden. Und dann eine weitere Überraschung: Die idyllische Lahn wartete mit zahlreichen felsgespickten Untiefen auf. Als man dann glaubte, es im Zielort Runkel zu geschafft zu haben, wartete eine gefährliche, reißende Schleusenausfahrt. Auch die Bootslagerung über Nacht war mit einem Fragezeichen versehen.

Aber Gott sei Dank, es sollte im „Meandertal“ der Lahn so nicht weitergehen. Zu den neuen Perspektiven gehörten keine kritischen Stellen und kein Chaos mit den Kanuten mehr. Auch die Selbstbedienung der Schleusen auf dem Weg nach Limburg war einem Service durch Personal gewichen. Beeindruckende Perspektiven boten die ICE/Autobahn-Brücken und die Ansicht des früheren 1000-Mark-Ansicht des Limburger Doms.

Apropos Limburg! Hier standen Konni als Fahrtenleiter die kalten Schweißperlen auf der Stirn. Alles schien als zentrales Übernachtungsquartier in Limburg abgesegnet zu sein. Da kam die Hiobsbotschaft: Wegen eines Wasserrohrbruchs sei die Übernachtung in Frage gestellt. Aber Controller Konni Roth ließ nicht locker und boxte eine optimale Lösung heraus.

Als Ausgleich zu der Hitzeschlacht diente dann in Folge der Tour auf der Lahn zum Relaxen: kaum störender Bootsverkehr, dicht-grün bewaldete Ufer, Natur pur, freundliches Schleusenpersonal und literweise Mineralwasser ließen die Fahrt der hitzebedingt verkürzten Tour zu einem Erlebnis werden. Dabei sei auch die geleistete unterstützende technische Arbeit von Ralph Kastner und Matthias Koerwer gewürdigt. Im Gedächtnis behalten werden die Teilnehmer auch die spektakulären Badeeinlagen von Harald in Runkel und Henning in Nassau bei Abfahrt und Ankunft, die dank der Kameradschaft toll gelöst werden konnten.

Ein Erlebnis war schließlich das Finale mit einer Durchfahrt durch das immer noch von kaiserlichem Flair durchflutete Bad Ems. Die weiß-gelben Palais entfalteten ihre Pracht. Da fehlte nur noch nach flottem Abriggern und Verladen der Boote der finale Treff.

Im Schatten des Bad Emser Bismarck-Tum mit einem herrlichen Blick über das Lahntal wurde dem Fahrtenleiterduo Doris und Konni Roth gedankt. Dazu die Erkenntnis: Es muss nicht immer eine Kilometerfresser-Tour sein. Trotz Hitze wurde vorbildlicher RCR-Gemeinsinn auf der Lahn-Tour demonstriert.

Bericht von Rainer Wollenschneider

FOTOS

  1. Romantisch die Vorbeifahrt am Alten Wirtshaus an der Lahn in Dausenau.

 

  1. Moderne Perspektiven gab es beim Unterfahren der ICE/BAB-Brücke vor Limburg

 

  1. Die 18 Teilnehmer von Konni-Rots RCR-Lahnfahrt sollten eine besondere Tour erleben.

 

  1. Rasch ließ man das Chaos mit Kanu-Kanadiern im Tunnel von Weilburg hinter sich.

 

  1. Eine optische Augenweide war im Finale

 

  1. der RCR-Lahnfahrt Bad Ems

 

  1. Fotos: Rainer Wollenschneider